Anfang September 2005 war es soweit: der Eine-Welt-Laden konnte wieder in das nun restaurierte Fachwerkhaus Am Markt 33 einziehen und damit an Lage, Wohnklima und Platz deutlich gewinnen. Umgeben von Lehmputz, Fachwerk und Holzdielen macht es Spaß, die Produkte zu präsentieren, und wir fühlen uns sehr wohl im alten neuen Gemäuer. Aber nicht nur dadurch hat der Laden frischen Wind erfahren. Mit einer SVT-Stelle haben sich zusätzliche Öffnungszeiten und ein höheres Maß an Organisation und Professionalität ergeben, die allein durch ehrenamtliches Mittun oft nicht leistbar sind. Der u. a. daraus resultierende höhere Umsatz zeigt sich wie folgt: Es ergab sich ein Umsatzplus von 35 % von 2005 zu 2006; 44 % des Umsatzes von 2006 lässt sich allein auf die neuen Öffnungszeiten von Dienstag bis Donnerstag zurückführen.
Dass der Eine-Welt-Laden sich darüber hinaus in die Öffentlichkeit drängelt, zeigen wieder verschiedene Aktionen. Angefangen von der Eröffnungsfeier mit Vorträgen, Verkostungen, Gewinnspiel und Kinderattraktionen waren wir wieder erfolgreich auf dem Brandenburgtag in Forst (gemeinsam mit dem Kalinago e. V. und dem Eine-Welt-Laden Forst), zum Kreis-Kirchen-Tag in Rüdersdorf (gemeinsam mit dem Eine-Welt-Laden Woltersdorf) und (schon zum 7. Mal!) auf dem Samariterfest in Fürstenwalde. Natürlich haben wir auch den Storkower Weihnachtsmarkt und das Maifest bereichert.

Während der Fußball-WM 2006 wurden alternativ zur Fifa 21entsprechende Tabellen über Kriterien wie Export, Analphabetenrate, Internetnutzeranteil u. a. ausgehängt. Die Kunden konnten auf einer stummen Weltkarte ihr geographisches Wissen testen und je nach Erfolg die Rabattpunkte für die StorkowCARD aufbessern. Im Vorfeld der Spiele war der Eine-Welt-Laden ein kleines Tipp-Lokal für die erwarteten Tore der deutsche Nationalmannschaft. Zwei Jungs haben dabei einen fair gehandelten Fußball gewonnen. Viermal waren Grundschulklassen im Laden zu Gast und konnten viele Dinge über die Produktion von Bällen, vor allem der FairPlay-Fußbälle aus Pakistan erfahren. Anschließend wurden die runden Leder im Torwandschießen ausprobiert. Passend zur WM führte der Eine-Welt-Laden am Tag des Eröffnungsspiels Deutschland gegen Costa Rica die erste fair gehandelte Cola ein. Der Produktname war eher ein Zufall: Costa Rica Cola.
Auch ältere Schüler finden den Weg zu uns und den Themen rund um den Fairen Handel. So gibt es über die Lehrerinnen Karina Rogowitz und Erika Lehmann eine Kooperation mit dem Rouanet-Gymnasium in Beeskow, die bisher für Verkaufsaktionen in der Schule und im Rahmen von Projekten und den Besuch einer Schülergruppe im Laden in Storkow genutzt wurde.
Zum ersten Mal gab es auch ein Schülerpraktikum! Im Januar 2007 hat Anne Ulrich von der Europaschule Storkow ihr Praktikum absolviert und im Mai 2007 mit einer selbst gewählten Produktgruppe unter dem Titel „fairwöhnen“ ein Schaufenster gestaltet.
Eine andere sehr erfolgreiche Aktion waren die Elefantenwochen zum Jahreswechsel 2006/2007. Hier bekamen wir große Unterstützung von den Vereinsmitgliedern bei Werbung und Einkauf für diese Zeit. Wochen lang drehte sich alles um den Elefanten. Der Dickhäuter war in allen erdenklichen Variationen im Eine-Welt-Laden erhältlich. Allein ein lebendiges Tier war nicht dabei. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fast 4.000 Euro Umsatz im Dezember!!
Von all dem und den Grundlagen des Fairen Handels war durch uns zu lesen, und zwar 20 Mal in sieben verschiedenen Zeitungen, u. a. auch in der Fachzeitschrift „Welt und Handel“.
Nicht zu vergessen ist der Zuwachs im „Verein zur Förderung des Fairen Handels - Eine–Welt-Laden Storkow e. V.“. Der Verein zählt nun 21 Mitglieder (durch die fünffache Mitgliedschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Storkower Land entspricht das 25 Mitgliedern). Das Ziel, irgendwann 50 Mitglieder unter diesem Dach zu vereinen, ist also zur Hälfte erreicht.
Aber des Zuwachses ist noch kein Ende: Im April 2006 wurde Marieke Triller als zweites Storkower Eine-Welt-Laden-Kind geboren. Den - vorläufigen - Schlusspunkt in dieser Reihe setzte Julius Göricke am 22. Mai.
Nach wie vor ist der Eine-Welt-Laden Storkow - abgesehen vom Internet, wo es
sie auch gibt, aber nicht zum Anfassen, und nicht gerade preiswert -
der einzige Anbieter von Handwerkswaren der Karibik in Europa. Die
Kariben sind ein sehr einfaches Volk. Sie verkaufen ihre Waren zum
größten Teil an der Straße an vorbeifahrende Touristen, wenn die
Tanzgruppe „Karifuna Cultural Group“ im Gemeinschaftshaus
eine Vorstellung für Touristen von Kreuzfahrtschiffen gibt, wird auch
dort der Vorraum fast zugestellt mit Tischen, die wiederum vollgepackt
sind mit selbst gefertigten Waren. Die großen internationalen
Handelsstrukturen und die damit verbundenen Möglichkeiten (wie auch
Probleme) sind den Kariben meist fremd. So gibt es im Carib Reserve nur
wenige Familien, die für den Export fertigen. Daher ist dieser in
seinem Umfang und in seiner Richtung auch relativ leicht zu erfassen.
Größere Lieferungen sind bisher nach Puerto Rico und nach Barbados
gegangen. Nicht einmal die USA im Norden sind große Abnehmer. Was
Deutschland angeht, ist diese Situation nicht verwunderlich: Es gibt
zwischen Dominica und hier einfach nahezu keine
Import-/Exportverbindungen. Der Transport der Waren ist eine
Riesenhürde. Gäbe es Firmen, die regelmäßigen Austausch betrieben
und bei denen man immer mal wieder einige Kartons miteinlagern könnte,
dann könnte der Laden
die Produkte auch noch viel günstiger anbieten. Es gibt aber Bestrebungen,
einen solchen permanenten Handel aufzubauen, dann könnten Kalinago
e. V. und der Eine-Welt-Laden eine größere Palette von
Produkten anbieten, und vor allem zu einem günstigeren Preis. Eine neue
Lieferung ist sowieso bald fällig, da die Waren sich gut verkauft
haben. Was ist nun das Besondere an diesen Produkten? - Seit
Jahrhunderten stellen die Kariben Körbe, Schalen, Dosen, Matten und
andere Gebrauchsgegenstände aus der getrockneten Faser des „Larouma“-Busches
her. Larouma wird ungefähr zwei bis drei Meter hoch, hat große
langgezogene Blätter und einen Stengel von ca. 1 cm Durchmesser. Die
Blätter werden abgeschlagen, der Stengel gevierteilt, die innere Faser
entfernt (dient hervorragend als Schnur) und die vier äußeren Teile
tagelang getrocknet. Die Innenseite wird hell, die Außenseite braun,
und um eine schwarze Farbe zu bekommen, wird das Ganze eine Zeitlang in
den lehmigen Boden eingebuddelt. Völlig frei von Chemie. Während
früher nur Alltagsgegenstände hergestellt wurden, haben die Kariben
angesichts ihrer Kunden heute ihre Palette um Touristisches wie z. B.
eingeflochtene Flaschen erweitert.
Der Eine-Welt-Laden bietet Körbe, Dosen in den verschiedensten Größen, Platzdeckchen, Fächer und „wife leader“ (eine historische Spezialität, die Sie sich im Laden erklären lassen müssen) und Bootsimitationen aus weißem Zedernholz an.